Navigation überspringen
BTV Logo
BTV Mitarbeiter Georg Lehman steht in einem blauen Anzug vor einer Glaswand in dem BTV Stadtforum in Innsbruck

Ressourcenschonendes Bauen und Sanieren

BTV Expertengespräch

In der Immobilienwirtschaft verändern sich die Rahmenbedingungen bereits seit einiger Zeit deutlich. Energiekosten steigen, regulatorische Anforderungen werden strenger und die Erwartungen von Investor*innen sowie Nutzer*innen wachsen. Deshalb werden energetische Sanierungen und besonders energieeffiziente Neubauten immer wichtiger – und oft auch wirtschaftlich notwendig.
Gleichzeitig stehen Unternehmen vor der Herausforderung, diese Transformation nicht nur zu finanzieren, sondern auch regulatorisch sauber und transparent abzubilden. Im BTV Expertengespräch zeigt Georg Lehmann auf, wie die BTV fair future Fixvorlage und der BTV fair future Investitionskredit diese Anforderungen adressiert und warum das Produkt mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde.

ImmobilienNachhaltigkeitFinanzwissenAktuelles

Sanierungen und Neubauten werden oft unterschiedlich diskutiert. Herr Lehmann, wie ordnen Sie diese beiden Ansätze im Kontext zukunftsorientierter Finanzierung ein?

Wir sehen aktuell einen strukturellen Wandel. Sanierungen und energetischer Neubau auf höchstem Niveau sind nicht mehr optional, sondern notwendig. Sie tragen dazu bei, Gebäude besser auf zukünftige Anforderungen auszurichten und potenzielle Risiken zu reduzieren. Dazu zählen insbesondere steigende Energie- und Betriebskosten, verschärfte regulatorische Vorgaben sowie die Anforderungen von Investor*innen und Nutzer*innen an energieeffiziente Gebäude. Hier gibt es ein großes Potenzial, da viele Bauten heute nicht mehr den aktuellen energetischen Anforderungen entsprechen. Beispielsweise lässt sich durch gezielte Sanierungsmaßnahmen der Energieverbrauch signifikant reduzieren.

Welche Rolle nehmen hier die BTV fair future Fixvorlage und der BTV fair future Investitionskredit ein?

Er wurde genau dafür konzipiert: als zweckgebundenes Finanzierungsinstrument, das ökologische Überlegungen, wirtschaftliche Tragfähigkeit und regulatorische Konformität zusammenführt. Es geht nicht nur um Kapital, sondern um ein strukturiertes Gesamtkonzept für zukunftsweisende Investitionen. Grundlage hierfür ist der Energieausweis in der Genehmigungsphase.

Was unterscheidet die beiden Produkte von einer klassischen Finanzierung?

Der zentrale Unterschied liegt darin, dass die BTV nicht nur Kapital bereitstellt, sondern als strukturierender Partner auftritt. Die BTV unterstützt Kund*innen dabei, die richtige Ausgestaltung zu finden, insbesondere bei der Festlegung von Laufzeit und Tilgungsstruktur sowie bei der Integration möglicher öffentlicher Fördermittel. Wir stellen sicher, dass die Finanzierung mit nachhaltigen Zielsetzungen verknüpft ist. Diese sind von der BTV definiert und so werden ausschließlich Projekte unterstützt, die einen ökologischen Beitrag gemäß dem BTV Sustainable Finance Framework leisten.

Was umfasst das BTV Sustainable Finance Framework?

Das Sustainable Finance Framework der BTV bildet die verbindliche Grundlage für die Bewertung und Strukturierung nachhaltiger Finanzierungen. Es definiert klar, nach welchen Kriterien Projekte als nachhaltig eingestuft werden können und welche Vorgaben dabei erfüllt sein müssen. Dazu zählen unter anderem: die Zuordnung von Finanzierungen zu definierten nachhaltigen Kategorien (z. B. energieeffiziente Gebäude oder Sanierungen), die Festlegung von Mindestanforderungen und Schwellenwerten, insbesondere im Hinblick auf Energieeffizienz (z. B. Primärenergiebedarf), sowie die Anwendung externer Referenzrahmen wie vor allem der EU-Taxonomie oder nationaler Standards. Darüber hinaus stellt das Framework sicher, dass die Einhaltung dieser Kriterien im Finanzierungsprozess nachvollziehbar dokumentiert und überprüft wird. Das umfasst klare Prüfprozesse, die Einbindung entsprechender Nachweise (z. B. Energieausweis oder technische Unterlagen) sowie interne Kontrollmechanismen. Ziel ist es, eine konsistente, transparente und nachvollziehbare Grundlage zu schaffen, auf deren Basis nachhaltige Finanzierungen strukturiert und beurteilt werden können.

Welche weitere Unterstützung bietet die BTV?

Darüber hinaus entwickeln wir gemeinsam mit den Kund*innen ein Finanzierungskonzept, das auf die jeweilige Situation abgestimmt ist. Dabei werden auch Fördermöglichkeiten berücksichtigt. Unser Anspruch ist es, eine Lösung zu schaffen, die nicht nur kurzfristig funktioniert, sondern langfristig Bestand hat.

Welche Rolle übernimmt die BTV konkret in der Projektphase?

Sie geht klar in Richtung Sparringspartner. Wir bieten unseren Kund*innen auf Wunsch eine Begleitung im Projekt. Bei Bedarf beginnt das bereits in einer sehr frühen Phase – also bei der Entscheidungsfindung in Bezug auf Sanierung oder Neubau und darauf, welche Maßnahmen zur Ressourcenschonung umgesetzt werden können. Wir verstehen das Angebot aber nicht als Energieberatung. Ein wichtiger Bestandteil ist die Einordnung in die Anforderungen der EU‑Taxonomie. Wir unterstützen unsere Kund*innen dabei, zu verstehen, welche technischen Screening‑Kriterien relevant sind und welche Nachweise erforderlich sind. Das betrifft insbesondere Energiekennzahlen, CO₂‑Einsparungen oder die Einhaltung von Mindestanforderungen an nachhaltige Gebäude. Dieses Sparring schafft Klarheit: Welche Maßnahmen sind notwendig? Wo liegt die Grenze zwischen „good practice“ und echter Taxonomie‑Konformität? Und wie kann ein Projekt so strukturiert werden, dass es langfristig regulatorisch Bestand hat?

„Der BTV fair future Investitionskredit ist ein neues flexibles Angebot für energieeffiziente Gebäude.“
Georg LehmannSustainable Finance

Viele Eigentümer*innen sehen in der Sanierung zunächst einen hohen Aufwand. Welche konkreten Vorteile ergeben sich aber tatsächlich?

Eine Sanierung wird häufig über die Anfangsinvestition bewertet, tatsächlich entfaltet sie ihre Wirkung aber über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Dies wird uns immer wieder durch Kund*innen bestätigt. Ein wichtiger Effekt ist die Reduktion des Energieverbrauchs und damit der laufenden Kosten. Entsprechende Maßnahmen führen dazu, dass der Betrieb eines Gebäudes langfristig wirtschaftlicher wird. Gleichzeitig steigt die Attraktivität des Objekts für Bewohner*innen und Investor*innen. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind zentrale Faktoren für die Vermietbarkeit und Nutzung von Immobilien geworden. Darüber hinaus trägt eine Sanierung maßgeblich zum Werterhalt bei. Gebäude, die energetisch auf einem aktuellen Stand sind, behalten ihre Marktfähigkeit und lassen sich langfristig besser vermieten.

Gibt es noch andere Aspekte?

Ja, die Resilienz. Durch gezielte Maßnahmen wird ein Gebäude widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Entwicklungen. Das betrifft sowohl regulatorische Veränderungen als auch Klimarisiken. Dazu zählt insbesondere die Fähigkeit, auch unter verschärften regulatorischen Vorgaben – etwa sinkenden Grenzwerten für Energiekennzahlen, strengeren Anforderungen an CO₂‑Emissionen sowie erweiterten Nachhaltigkeitsstandards – langfristig wirtschaftlich zu bleiben. Gleichzeitig umfasst Resilienz die Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Belastungen wie Hitze, Extremwetter oder wasserbezogenen Risiken wie Starkregen oder Hochwasser. Entscheidend ist dabei, dass wesentliche Funktionen und die wirtschaftliche Nutzbarkeit des Gebäudes auch unter veränderten Rahmenbedingungen aufrechterhalten werden können.

Was bedeutet die Sanierung für die Energieversorgung?

Durch moderne Heizsysteme und erneuerbare Energiequellen wird die Abhängigkeit von externen Märkten reduziert und die Planbarkeit kann insbesondere im Hinblick auf zukünftige Energie- sowie Betriebskosten verbessert werden. Insgesamt zeigt sich, dass eine Sanierung weit mehr ist als eine technische Maßnahme. Sie ist ein zentraler Hebel, um Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit eines Gebäudes miteinander zu verbinden.

Welche Rolle spielt dabei die EU‑Taxonomie konkret?

Sie liefert einen verbindlichen Rahmen, um ökologisch nachhaltige Aktivitäten zu definieren. Für den Immobilienbereich bedeutet das insbesondere Anforderungen an Energieeffizienz, Primärenergiebedarf, Wasserbedarf und Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes. Für uns ist sie ein zentraler Orientierungspunkt in der Finanzierung. Projekte werden danach beurteilt, inwieweit sie diesen Kriterien entsprechen oder darauf ausgerichtet werden können. Diese Kriterien geben eine genaue Leitlinie für die Entscheidungen vor, die zusammen mit Kund*innen im Hinblick auf langfristige regulatorische Stabilität getroffen werden.

Neben Finanzierung und Strukturierung – welche weiteren Mehrwerte bietet der Kredit?

Ein wesentlicher Mehrwert liegt in der Kombination aus Finanzierung und Förderintegration. Die BTV arbeitet aktiv mit staatlichen Förderstellen zusammen und unterstützt dabei, Projekte bestmöglich zu konzipieren. Darüber hinaus bieten wir unterschiedliche Finanzierungsformen, etwa klassische Kredite oder Leasinglösungen, um Investitionen flexibel umzusetzen.

Ein weiterer Aspekt ist die langfristige Perspektive. Ziel ist es, Gebäude so auszurichten, dass sie auch zukünftigen Anforderungen gerecht werden. Es geht darum, bereits heute Maßnahmen zu ergreifen, die die Nutzbarkeit und Wirtschaftlichkeit von morgen sichern.

Welche Rolle spielt das Umweltzeichen im Kontext der BTV fair future Fixvorlage und des BTV fair future Investitionskredits?

Das Österreichische Umweltzeichen UZ 49, das die BTV fair future Fixvorlage und der BTV fair future Investitionskredit tragen, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Ansatzes. Es stellt sicher, dass im Rahmen der Finanzierung definierte Nachhaltigkeits- und Qualitätskriterien eingehalten werden. Dazu zählen einerseits Anforderungen an die energetische und nachhaltige Qualität des finanzierten Vorhabens und andererseits klar festgelegte Prüf-, Kontroll- und Dokumentationsprozesse aufseiten der Bank.

Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass sich das Umweltzeichen auf die Ausgestaltung des Finanzierungsprodukts und dessen Vergabeprozess bezieht – nicht jedoch auf das einzelne Projekt oder Gebäude selbst als zertifiziertes Objekt.

Für wen ist dieses Produkt besonders geeignet?

Für Unternehmer*innen und Immobilienbesitzer*innen, die ihre Projekte zukunftsfähig ausrichten wollen. Das gilt sowohl für Bestandsobjekte mit Sanierungsbedarf als auch für Neubauvorhaben.

Wer diesen Weg strukturiert geht, kann nicht nur Risiken senken, sondern auch die Attraktivität und Rentabilität der Immobilien verbessern.

Ihr abschließender Rat?

Nicht abwarten. Die Transformation ist bereits im Gange. Unternehmer*innen sollten frühzeitig beginnen, ihre Projekte strukturiert zu planen und sich mit den Anforderungen der EU‑Taxonomie auseinanderzusetzen.

Bei Sanierungen und Neubauten sollten heute immer zukünftige Anforderungen wie langanhaltende Hitzewellen, Starkregen oder Grauwassersysteme berücksichtigt werden. Der strukturierte Austausch im Sparring hilft dabei, die entscheidenden Hebel zu identifizieren und Investitionen sinnvoll auszurichten. In Kombination mit einer passenden Finanzierung und der Orientierung an der EU‑Taxonomie entsteht so ein konsistenter Ansatz, der ökologische Anforderungen mit wirtschaftlicher Stabilität verbindet. Der BTV fair future Investitonskredit ist darauf ausgerichtet, diese Transformation aktiv zu unterstützen und langfristige Lösungen zu ermöglichen.

  • Das Österreichische Umweltzeichen wurde vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) für den BTV fair future Investitionskredit, für die BTV fair future Fixvorlage, für das BTV AM Zukunft, für die BTV fair future Bonds, für das Anlagekonto fair future und für das BTVkonto fair future verliehen, weil bei der Auswahl von Aktien, Anleihen, Anteilscheinen, Immobilien bzw. mittels Giro-/Spareinlagen oder Green Bonds finanzierter Projekte neben wirtschaftlichen auch ökologische und soziale Kriterien beachtet werden. Das Umweltzeichen gewährleistet, dass diese Kriterien und deren Umsetzung geeignet sind, entsprechende Aktien/Anleihen/Anteilscheine bzw. Immobilien, Projekte oder Veranlagungsformen auszuwählen. Dies wurde von unabhängiger Stelle geprüft. Die Auszeichnung mit dem Umweltzeichen stellt keine ökonomische Bewertung dar und lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung des Finanzprodukts zu.

  • Wir verarbeiten Ihre angegebenen personenbezogenen Daten zum Zweck der Bearbeitung Ihrer Anfragen und um mit Ihnen in Kontakt zu treten. Es gelten die Bestimmungen unserer Datenschutzerklärung. Diese finden Sie unter Rechtliche Hinweise.