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Blick von oben auf einen Frachthafen mit Transport-Containern

Keine Beruhigung im Nahost-Konflikt

BTV Marktflash

Der Nahost-Konflikt dauert nun schon 23 Tage an, eine Beruhigung ist nicht in Sicht. Kritisch ist der Nahost-Konflikt für die Weltwirtschaft vor allem durch die Verknappung des globalen Ölangebots. Die Blockade der Straße von Hormus, durch die 20 % des globalen Ölangebots verschifft werden, bleibt ausschlaggebend für die weitere Ölpreisentwicklung. Im aktuellen BTV Marktflash lesen Sie unsere Einschätzung der Auswirkungen auf Konjunktur und Märkte.

Marktmeinung

Keine Beruhigung in Sicht

Im Nahostkonflikt zwischen den USA und Israel auf der einen Seite sowie dem Iran auf der anderen Seite geriet in den vergangenen Tagen vermehrt Energieinfrastruktur in den Fokus der Angriffe. Dadurch steigt auch der wirtschaftliche Schaden. Die Rhetorik bleibt hart: Während US-Präsident Trump dem Iran mit Vergeltungsschlägen droht, wenn weiterhin Energieinfrastruktur angegriffen wird, gilt der neue oberste Führer des Iran Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ajatollah Ali Chamenei, als religiöser Hardliner und zeigt sich unnachgiebig.

Bedeutung für den Ölmarkt

Die Straße von Hormus ist von kritischer Bedeutung für den globalen Ölmarkt, weil vor dem Angriff auf den Iran täglich etwa 20 Mio. Barrel pro Tag bzw. 20 % des weltweiten Ölangebotes durch diese Meerenge verschifft wurden. Aktuell ist die Straße von Hormus aufgrund des Krieges kaum noch passierbar – die Blockade dauert bereits 23 Tage an. Bis dato ist die Verknappung des Ölangebots kaum spürbar, da ein Öltanker aus dem persischen Golf 10-15 Tage bis nach Asien bzw. zwischen 25-30 Tagen nach Europa benötigt. Zusätzlich dazu sind die globalen Öllager gut gefüllt: Japans Ölbestände sichern den Bedarf 144 Tage, Deutschlands Lager sichern 132 Tage an Ölnachfrage und die US-Bestände reichen 83 Tage.

Jüngst haben sich die OECD-Staaten darauf geeinigt strategische Ölreserven im Umfang von 400 Mio. Barrel pro Tag freizugeben, um die globale Ölversorgung temporär zu stützen. Die Mitglieder der International Energy Association haben sich darauf geeinigt die Reserven über einen Zeitraum von 120 Tagen freizugeben. Das entspricht einem zusätzlichen Angebot von 3,3 Mio. Barrel pro Tag. Ungefähr 3 bis 4 Mio. Barrel pro Tag können über Pipelines umgeleitet werden, um die Straße von Hormus zu umgehen. Das fehlende Öl kann durch diese Maßnahmen aber nicht im vollen Ausmaß kompensiert werden. Durch die Blockade der Straße von Hormus stehen bei einem täglichen Bedarf von 100 Mio. Barrel dem Ölmarkt 20 Mio. Barrel pro Tag weniger an Öl zur Verfügung. Berücksichtigt man die Freisetzung der strategischen OECD-Ölreserven und die zusätzlichen Kapazitäten in den Pipelines, fehlen dem globalen Ölmarkt weiterhin zwischen 12 bis 14 Mio. Barrel pro Tag (ca. 12 bis 14 % des globalen Ölangebots).

Das bedeutet, eine Öffnung der Straße von Hormus ist essenziell für die Versorgung des globalen Ölmarktes und der Einbruch der Ölexporte aus dem Nahen Osten kann nur temporär aufgefangen werden. Dauert die Blockade länger an, entsteht noch ein zusätzliches Problem: Die Ölförderstaaten am Persischen Golf haben begrenzte Lagerkapazitäten und müssen ihre Produktion drosseln, wenn das Öl nicht exportiert werden kann. Der Irak hat beispielsweise Lagerkapazitäten für ein Produktionsvolumen von sieben Tagen und musste seine Produktion bereits stark drosseln. Der Iran kann hingegen größere Mengen lagern mit Kapazitäten für ein Produktionsvolumen von 30 Tagen und Saudi Arabien sogar von 73 Tagen. Wenn die Blockade daher noch deutlich länger andauert, kann davon ausgegangen werden, dass auch bei Öffnung der Straße von Hormus das Ölangebot nicht sofort wieder auf das Niveau von vor Kriegsbeginn ansteigt. Ausschlaggebend für die Entwicklung der Energiepreise wird daher sein, wann die Straße von Hormus wieder passierbar sein wird und auch wieviel Energieinfrastruktur im Krieg zerstört wurde.

Bedeutung für Konjunktur und Finanzmärkte

Der Ölpreis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg zuletzt erneut über 100 US-Dollar pro Barrel und hat sich damit bereits erheblich verteuert. Auch wenn das knappe Ölangebot erst zeitverzögert spürbar wird, preist der Markt den Engpass bereits jetzt ein. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung. Europa und Asien sind als Nettoenergie-Importeure davon stärker betroffen als die USA, die als energieautark gelten. Durch den globalen Handel lassen sich auch hier die preissteigernden Auswirkungen aber nicht vermeiden. Wie stark die Inflation ansteigen wird und über welchen Zeitraum eine erhöhte Inflationsrate anhält, ist stark von der Entwicklung im Nahen Osten abhängig. Ein temporärer Anstieg der Inflation kann von der Weltwirtschaft aktuell gut abgefedert werden, da sich die Weltwirtschaft robust zeigt und die Inflation aktuell auf dem Zielniveau liegt. An den Finanzmärkten kann eine höhere Volatilität nicht ausgeschlossen werden, was grundsätzlich kleinere Korrekturen an den Aktienmärkten sowie leicht steigende Renditen an den Rentenmärkten mit sich bringt.

Bleibt der Ölpreis hingegen längerfristig auf dem aktuellen Niveau bzw. steigt dieser aufgrund einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus sogar noch weiter an, können die wirtschaftlichen Folgen drastischer ausfallen. Ein deutlicher Inflationsanstieg würde das Weltwirtschaftswachstum über eine abnehmende Nachfrage stark einbremsen. Zusätzlich dazu könnten sich die Notenbanken Fed und EZB gezwungen fühlen, die Zinsen im Kampf gegen die Inflation anzuheben. Während ein oder zwei Zinsanhebungen die Wachstumserwartungen nur moderat dämpfen würden, können mehrere Zinsanhebungen über einen kurzen Zeitraum im schlimmsten Fall auch zu einer Rezession führen. Steigende globale Renditen sowie eine scharfe Korrektur an den Aktienmärkten wären die Folge.

Mögliche Entwicklungen des Konfliktes

Im aktuellen Umfeld sehen wir zwei mögliche Entwicklungen des Konfliktes.

  • Szenario 1: Die Blockade der Straße von Hormus hält noch eine überschaubare Anzahl von Tagen an. Der wirtschaftliche Druck steigt, da die USA einen zu starken Inflationsanstieg und auch der Iran eine weitere Zerstörung der Energieinfrastruktur vermeiden möchten. Auch wenn der Waffenstillstand in der Region kein Ende des Konfliktes bedeutet, ist die Straße von Hormus erneut passierbar. Die Ölfördermenge steigt zwar deutlich an, bleibt aber unter dem Vorkriegsniveau. Der Ölpreis wird in diesem Szenario zurückgehen, eine gewisse Risikoprämie bleibt aber enthalten. Kleinere Korrekturen an den Aktienmärkten sowie Renditeanstiege an den globalen Rentenmärkten sind möglich. Eine Erholungsbewegung sollte nach Beruhigung der Situation zeitnah einsetzen.
  • Szenario 2: Der Konflikt im Nahen Osten eskaliert weiter. Es wird verstärkt Ölinfrastruktur angegriffen und die wirtschaftlichen Schäden nehmen kontinuierlich zu. Auch wenn der Iran den USA militärisch weit unterlegen ist, verfolgt Modschtaba Chamenei die Strategie dem Westen und insbesondere den USA den maximalen Schaden zuzufügen. Die Blockade der Straße von Hormus ist dafür eine naheliegende Möglichkeit. Die Blockade dauert mehrere Monate an und die Einbußen in der Ölproduktion können nicht mehr abgefangen werden. Die Inflation steigt stark an und Notenbanken müssen die Leitzinsen deutlich erhöhen, wodurch eine Rezession immer wahrscheinlicher wird. Es kommt zu Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten. Szenario 2 gilt weiterhin als Extremszenario.

Risikoreduktion in unseren Portfolios

In turbulenten Zeiten wie diesen ist ein breit aufgestelltes Portfolio wichtiger denn je. Aus diesem Grund sind wir in den BTV Asset Management Mandaten nicht nur zwischen den Anlageklassen Aktien, Anleihen und Alternativen, sondern auch innerhalb der Anlageklassen diversifiziert. Alternative Investments bestehen zum einen aus liquiden Alternativen, die trotz Marktturbulenzen kaum Volatilität aufweisen und beständige Erträge generieren. Zum anderen sind wir in Gold investiert, das wir Anfang des Jahres erneut aufgestockt haben. Gold dürfte weiterhin von den Unsicherheiten profitieren. Der jüngste Rücksetzer lässt sich mit dem erhöhten Liquiditätsbedarf begründen und ist in Marktphasen wie diesen nicht ungewöhnlich. Die Anlageklasse Alternative trägt besonders im aktuellen Umfeld zur Reduktion der Volatilität und der Kursverluste sowie zur Erhöhung der Portfoliostabilität bei.

Um das Portfolio in diesem Umfeld widerstandsfähig aufzustellen, reduzieren wir die Aktienquote auf die strategische Quote und lösen damit das bisherige taktische Übergewicht auf, dass wir im Oktober 2025 eingegangen sind. Wir veranlagen diese Gelder kurzfristig am Geldmarkt, um in der derzeit unübersichtlichen Marktlage mit sehr hohen Kursschwankungen zusätzliche Vermögensstabilität zu erreichen. Auch wenn sich der Konjunkturausblick zuletzt eingetrübt hat, bleiben wir übergeordnet zuversichtlich für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft und sehen keine Rezession im BTV Basisszenario. Ein robuster Konsum, deutliche Produktivitätsfortschritte sowie struktureller Rückenwind durch Investitionen in Technologie, Energieinfrastruktur und Digitalisierung schaffen hierfür eine solide Grundlage. Fiskalpolitische Maßnahmen wirken ebenfalls unterstützend. Die Anpassung der Aktienquote ist daher nicht als Änderung unserer langfristigen Einschätzung zu verstehen, sondern als vorausschauende Maßnahme, um Flexibilität zu gewinnen, Risiken zu reduzieren und zukünftige Chancen gezielt nutzen zu können. Dennoch gilt es weiterhin die Entwicklungen im Nahost-Konflikt genau zu beobachten und bei Bedarf die Allokation anzupassen.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Ihren/Ihre Betreuer*in.

  • Die in diesem Beitrag verwendeten Fach- und Finanzbegriffe werden unter folgendem Link ausführlich erklärt: Glossar

    Diese Marketing-/Werbemitteilung stellt keine individuelle Anlageempfehlung, kein Angebot zur Zeichnung bzw. zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ersetzt auch keine Anlageberatung. Als Marketing-/Werbemitteilung unterliegt sie nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und dem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen. Die jeweiligen Anlegerinformationen/Zeichnungsbedingungen in deutscher Sprache (Basisprospekt, endgültige Bedingungen, Prospekt, KID, vereinfachter Prospekt, u. dgl.) sind die einzig verbindlichen Dokumente. Sie erhalten diese bei der BTV Vier Länder Bank AG, Stadtforum 1, 6020 Innsbruck, bzw. BTV Vier Länder Bank AG, Zweigniederlassung Deutschland, Neuhauser Straße 5, 80331 München bzw. BTV Vier Länder Bank AG, Innsbruck, Zweigniederlassung Staad, Hauptstraße 19, 9422 Staad. Die Beiträge in dieser Publikation dienen lediglich der Information. Die BTV prüft ihr Informationsangebot sorgfältig. Beachten Sie bitte dennoch, dass Einschätzungen und Bewertungen die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt der Erstellung bzw. der Ausarbeitung reflektieren und für die Richtigkeit und den Eintritt eines bestimmten Erfolges keine Gewähr übernommen wird. Durch neue Entwicklungen oder kurzfristige Änderungen können die Informationen bereits überholt sein. Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewähr für künftige Ereignisse oder Wertentwicklungen. Bei Prognosen und Schätzungen über die zukünftige Entwicklung handelt es sich lediglich um unverbindliche Werte. Von diesen kann nicht auf die tatsächliche künftige Wertentwicklung geschlossen werden, weil zukünftige Entwicklungen des Kapitalmarktes und der Konjunktur nicht im Voraus zu bestimmen sind. Beachten Sie bitte, dass ein Investment in Finanzinstrumente mit Risiken, wie Kursschwankungen oder Vermögensverlusten, verbunden sein kann. Stand: 23. März 2026/12:00 Uhr