Wie schütze ich mein Vermögen vor Inflation?
Wenn die Preise steigen und die Kaufkraft des Geldes sinkt, wird schnell klar: Wer sein Vermögen nicht aktiv schützt, verliert.

Die Eurozone erlebt 2026 ein Spannungsfeld: Während Deutschlands expansive Fiskalpolitik für Wachstumsimpulse sorgt, bleibt die Wettbewerbsfähigkeit des Währungsraums unter Druck. Wie stark können die positiven Effekte aus Deutschland die strukturellen Schwächen Europas überdecken?
Die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone wird 2026 stark durch die deutsche Fiskalpolitik unterstützt. Während zahlreiche Mitgliedstaaten unter Defizitverfahren stehen und ihre Haushalte straffen müssen, setzt Deutschland auf ein expansives Vorgehen. Geplante Mehrausgaben insbesondere in den Bereichen Infrastruktur, Verteidigung und Digitalisierung dürften in diesem Jahr für einen spürbaren konjunkturellen Impuls sorgen. Der fiskalische Beitrag Deutschlands ist so stark, dass er den Konsolidierungsdruck in anderen Ländern abfedert, insgesamt dürfte die Eurozone 2026 daher eine netto expansive Fiskalpolitik aufweisen. Deutschlands Ausgabenpolitik wird aller Voraussicht nach zu positiven Spillover-Effekten auf die gesamte Eurozone führen, denn der Großteil der Verteidigungsaufträge scheint in der heimischen bzw. europäischen Industrie umgesetzt zu werden. Sind Deutschlands Kapazitäten ausgelastet, wird das europäische Ausland mit Verteidigungsaufträgen betraut. Die Tatsache, dass die geplanten Investitionen innerhalb Europas erfolgen, steigert die Wirkung staatlicher Ausgaben auf Wertschöpfung, Beschäftigung und technologische Weiterentwicklungen und stärkt zugleich die industrielle Basis. Auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität dürften profitieren, sodass die deutsche Fiskalpolitik in einem unsicheren geopolitischen Umfeld einen zentralen Wachstumsbeitrag für die Eurozone liefert.
Quelle: Deutsche Bank; Stand 16.01.2026
Trotz der Unterstützung durch deutsche Staatsausgaben bleibt die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone und insbesondere Deutschlands unter Druck. Europäische Unternehmen kämpfen weiterhin mit hohen Energiepreisen, strenger Regulatorik, schwierigen Finanzierungsbedingungen und zunehmenden technologischen Abhängigkeiten, die sich seit dem Beginn des Russland-Ukraine-Konflikts 2022 verschärft haben. Besonders belastend wirken die hohen Energiekosten im Vergleich zu den USA. Die aktive Industriepolitik Chinas und der USA setzt europäische Produzenten zunehmend unter Druck. Gleichzeitig mangelt es an einer funktionierenden Strategie, um die Abhängigkeit in den Bereichen Technologie, Energie und Lieferketten nachhaltig zu reduzieren. Politische Uneinigkeit und hohe Staatsschulden verzögern notwendige Reformen. Ohne diese Maßnahmen zur Stärkung der Standortqualität wird die Wettbewerbsfähigkeit auch 2026 ein zentraler Belastungsfaktor für Investitionen und Wachstum bleiben.
Die globalen Aktienindizes starten positiv ins Jahr 2026 – Unterstützungsfaktoren scheint es genug zu geben, denkt man an die erwarteten US-Leitzinssenkungen oder die geschnürten Fiskalpakete. Unsicherheitsfaktoren wie Geopolitik oder US-Inflationsrisiken bleiben dennoch vorhanden. Wie der BTV Aktienausblick aussieht und wo wir Potenzial sehen, lesen Sie im folgenden Kapitel.
Die globalen Aktienmärkte sind stark in das Jahr 2026 gestartet und knüpfen damit nahtlos an die Rallye von 2025 an. Die Vergangenheit lehrt uns allerdings, dass die ersten Tage des Jahres kein guter Indikator für den weiteren Jahresverlauf sind, deshalb lohnt sich ein Blick auf die Fundamentaldaten. In der BTV bleibt der positive Aktienausblick auch für das neue Jahr bestehen. Zum einen sollten ein robustes Weltwirtschaftswachstum bei moderater Inflation, expansive fiskalpolitische Maßnahmen in den großen Wirtschaftsregionen USA, Eurozone, Japan und China sowie weitere Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed unterstützen. Zum anderen dürften die im November bevorstehenden US-Midterm-Elections Trump dazu bewegen, wachstumsstimulierende Maßnahmen umzusetzen, die Inflation zurückzudrängen und Störfaktoren zu reduzieren. Die jüngsten Bestrebungen, den Ölpreis durch ein steigendes Angebot (siehe Kapitel Rohstoffe) zu drücken und Zinsen auf Hypothekarkredite zu senken, sind nur zwei Beispiele hierfür. Aus diesem Grund erwarten wir weitere bilaterale Lösungen im Handelskonflikt, die zu höherem Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation führen werden.
Trotz des positiven Ausblicks bestehen im Aktiensegment jedoch auch Risiken, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Erstens sind die Bewertungen vor allem im US-Tech-Sektor erhöht und die Erwartungen hinsichtlich des KI-Potenzials und der Unternehmensgewinne hoch. Sollten diese enttäuscht werden, kann eine Korrekturbewegung die Folge sein. Zweitens könnte eine stärker als erwartet steigende US-Inflation zu ausbleibenden US-Zinssenkungen führen. Höher als erwartet ausfallende Finanzierungskosten wirken sich in der Regel negativ auf die Investitionstätigkeiten der Unternehmen aus und drücken auf die Kursentwicklung. Drittens gelten die geopolitischen Entwicklungen und die US-Politik als weitere Unsicherheitsfaktoren. Überraschungen können hier zwischenzeitlich immer wieder zu erhöhter Volatilität an den Märkten führen.
Einige der etablierten globalen Aktienindizes wie der S&P 500, der STOXX 600 oder der Nikkei 225 konnten 2025 neue Allzeithochs erreichen. Performanceseitig stachen allerdings die Schwellenländerbörsen hervor, denn der MSCI Emerging Markets Index erzielte eine Jahresperformance von 34,4 % und schlug den Weltaktienindex MSCI World damit erstmals seit 2020 (siehe vorherige Grafik). Nach BTV Einschätzung sieht der Ausblick für die Schwellenländerbörsen auch in diesem Jahr gut aus. Ein robustes Weltwirtschaftswachstum, eine expansive Geldpolitik der Fed, ein schwächerer US-Dollar sowie weitere Einigungen im US-Handelskonflikt sollten die Wirtschaftsleistung in den Schwellenländern unterstützen. Trotz der jüngst guten Performance gelten Schwellenländeraktien weiterhin als vergleichsweise günstig bewertet. Ein steigendes Gewinnwachstum, gesunde Unternehmensbilanzen und Verbesserungen in der Unternehmensführung sollten zusätzlich stützen. In den BTV Asset-Management-Mandaten wurde der Anteil an Schwellenländeraktien daher leicht aufgestockt.
Wie in der nachfolgenden Grafik ersichtlich, sollte das Wachstum der Unternehmensgewinne auch in den USA, in Europa und Japan zulegen können. Auch wenn US-Technologie-Konzerne weiterhin außergewöhnlich hohes Gewinnwachstum vorweisen dürften, gehen wir davon aus, dass es in diesem Jahr zu einer Verbreiterung des Unternehmenserfolgs hinsichtlich der Sektoren kommen wird. Eine solche Entwicklung macht den US-Wachstumszyklus resistenter. Europas Gewinnwachstum sollte im Vergleich zum vergangenen Jahr erst 2026 richtig an Fahrt gewinnen. Unterstützung kommt hier von einem höheren Kreditimpuls aufgrund des tieferen Leitzinsniveaus, von zahlreichen Fiskalpaketen und einer tieferen Inflation bzw. tieferen Energiepreisen.
*Bei den angeführten Daten handelt es sich um Prognosen von Bloomberg, die auf Konsensschätzungen beruhen. Bei Prognosen und Schätzungen über die zukünftige Entwicklung handelt es sich lediglich um unverbindliche Werte. Von diesen kann nicht auf die tatsächliche künftige Wertentwicklung geschlossen werden, weil zukünftige Entwicklungen des Kapitalmarktes nicht im Voraus zu bestimmen sind.
Die Frage, wie viele Zinssenkungen die US-Notenbank Fed im Jahr 2026 noch vornehmen wird, beschäftigt derzeit die Anleger*innen. Die Erwartungen sind immer wieder starken Schwankungen unterlegen, denn 2026 wird es einen Wechsel an der Spitze der Notenbank geben. Schafft es US-Präsident Trump, durch gezielte Einflussnahme die Leitzinsen stärker zu drücken, als dies ökonomisch sinnvoll wäre?
Der aktuelle Präsident der US-Notenbank Fed ist noch bis Mitte Mai im Amt und es sind vier Nachfolger im Gespräch: Als Favorit gilt derzeit der Blackrock-Manager Rick Rieder, gefolgt vom ehemaligen Fed-Governor Kevin Warsh und vom amtierenden Governor Christopher Waller, während US-Präsident Trump den vormaligen Favoriten Kevin Hassett lieber in seiner Rolle als Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats behalten möchte.
Allen Kandidaten ist eines gemein, und zwar gelten alle drei als Trump-nah und befürworten tendenziell eine expansive Geldpolitik. Tiefere Leitzinsen verbessern die Finanzierungsbedingungen, erhöhen den Wohlstand und schieben dadurch das Wachstum an, so die gängige Argumentation. Ein tieferes Zinsniveau befeuert allerdings auch die Inflation, weshalb Leitzinssenkungen mit Bedacht durchgeführt werden müssen, um das US-Inflationsrisiko nicht erneut aufflammen zu lassen. US-Präsident Trump pocht allerdings auf ein tieferes Leitzinsniveau und verspricht sich durch einen neuen, durch ihn nominierten und vom Senat bestätigten Notenbankchef mehr Einflussnahme. Immer wieder wurde daher in den Medien die Unabhängigkeit der Fed infrage gestellt. Zuletzt führte die angedrohte Klage gegen Powell wegen angeblicher Falschaussagen zu den Renovierungskosten für Notenbankgebäude zu erneuter Unsicherheit. Powell wies die Anschuldigungen der US-Justiz entschieden zurück und sah darin lediglich einen Vorwand, um die Unabhängigkeit der US-Notenbank zu untergraben.
„Ich möchte, dass mein neuer Fed-Chef die Zinsen senkt, wenn es dem Markt gut geht.“
Ganz so einfach ist dies allerdings nicht, denn der Fed-Präsident entscheidet die geldpolitische Ausrichtung der USA nicht alleine. Zwölf Mitglieder stimmen im Offenmarktausschuss, dem sogenannten Federal Open Market Committee (FOMC), darüber ab. Davon werden sieben Mitglieder, sogenannte Governors, vom US-Präsidenten für eine 14-jährige Amtszeit nominiert, was vom Senat bestätigt werden muss. Allerdings kann nur bei Freiwerden eines Postens eine neue Nominierung ausgesprochen werden. Während Trumps Amtszeit wird der vorübergehende Governor Stephen Miran im Januar dieses Jahres nachbesetzt und 2028 wird der Posten von Jerome Powell frei. Denn Powells Mandat als Präsident endet zwar Mitte Mai, aber er kann auf eigenen Wunsch als einfaches Mitglied des Gremiums weiter im Offenmarktausschuss bleiben. Trumps Versuche, Fed-Governor Lisa Cook durch den Vorwurf von Hypothekenbetrug loszuwerden, werden aller Wahrscheinlichkeit nach scheitern. Die übrigen fünf FOMC-Mitglieder werden über die regionalen Fed-Zweigstellen und damit nicht durch den Präsidenten nominiert, dadurch ist Trumps Einfluss zusätzlich begrenzt. Die Angst vor einem Verlust der Fed-Unabhängigkeit scheint damit aus aktueller Sicht überzogen.
Der Jahresbeginn ist von erhöhter Dynamik an den Rohstoffmärkten geprägt. Während die politischen Entwicklungen in Venezuela den Ölmarkt verunsichern, bleibt Gold in einem von geopolitischen Risiken geprägten Umfeld stark gefragt. Anleger*innen stellen sich zurecht die Frage, wie es weitergehen wird.
Auf Anweisung von US-Präsident Trump haben die USA Anfang des Jahres eine Militäroperation in Venezuela durchgeführt und Präsident Maduro festgenommen, der nun wegen des Vorwurfs des Drogen-Terrorismus in US-Haft sitzt. Die Forderungen der USA sind konkret: Abbruch der Beziehungen zu den Verbündeten Russland und China, um die einstige Vormachtstellung in Venezuela zurückzugewinnen. Außerdem sollen sich US-amerikanische Ölkonzerne wieder im Land etablieren, um Zugriff auf die Ölreserven Venezuelas zu erlangen. Für den Ölmarkt stellt sich damit die Frage, welche mittelfristigen Auswirkungen der durch die USA eingeleitete Regimewechsel in Venezuela haben wird. Der südamerikanische Staat verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven weltweit, die tatsächliche Förderleistung liegt jedoch seit Jahren deutlich unter dem historischen Niveau. Politische Instabilität, die Verstaatlichung der Ölindustrie, internationale Sanktionen sowie ein erheblicher Investitionsstau haben dazu geführt, dass die Produktion in den vergangenen zehn Jahren massiv eingebrochen ist und aktuell weniger als die Hälfte früherer Fördermengen erreicht (siehe Grafik). Ein politischer Neuanfang könnte grundsätzlich den Weg für ausländische Investitionen ebnen und den Wiederaufbau der Infrastruktur beschleunigen. In einem solchen Szenario wäre mittelfristig mit steigender Produktion und wachsenden Exporten zu rechnen, wovon insbesondere die USA als Abnehmer profitieren würden. Allerdings handelt es sich hierbei um einen langfristigen Prozess, denn es wird mehrere Jahre dauern, bis sich die Förderkapazitäten spürbar erhöhen.
Zusätzlich dazu zeigen sich ausländische Konzerne zurückhaltend bei Investitionen in ein politisch instabiles Land, das in den vergangenen Jahren von Kriminalität, Aufständen und Sanktionierungen durch Drittstaaten geprägt war. Politische Stabilität zu erreichen, scheint ein weit entferntes Ziel, weshalb eine schnelle Rückkehr zu früheren Produktionshöchstständen aus heutiger Sicht als unwahrscheinlich gilt. Kurzfristig überwiegen daher Unsicherheit und erhöhte Volatilität am Ölmarkt. Langfristig könnte Venezuela jedoch wieder an Bedeutung gewinnen, was den Wettbewerb unter den großen Förderländern, insbesondere den USA, Saudi-Arabien und Russland, weiter verschärfen würde. Die Preisentwicklung hängt maßgeblich davon ab, wie rasch und nachhaltig eine Erholung der venezolanischen Ölproduktion gelingt.
Die politischen Entwicklungen in Venezuela haben nicht nur den Ölmarkt beeinflusst, sondern auch die Nachfrage nach sicheren Anlageformen verstärkt. In einem Umfeld zunehmender geopolitischer Spannungen rückt Gold erneut stärker in den Fokus der Investor*innen.
Neben Lateinamerika tragen auch andere geopolitische Risikofaktoren zur erhöhten Unsicherheit bei. Die angespannte Lage im Iran und die Möglichkeit einer Einmischung der USA erhöhen die Sorgen vor einer regionalen Eskalation. Zusätzlich führen die US-Ansprüche auf Grönland zu neuen Irritationen auf internationaler Ebene. Das US-Interesse lässt sich geopolitisch begründen, da Trump die amerikanische Vormachtstellung im Nordatlantik absichern will. Darüber hinaus machen die großen Vorkommen an Rohstoffen, seltenen Erden und Edelsteinen die Insel strategisch interessant. In solchen Phasen dient Gold traditionell als Absicherungsinstrument und stabilisierender Portfoliobaustein.
Gleichzeitig rückt die geldpolitische Situation in den USA stärker in den Mittelpunkt. Die Vorladung von Fed-Präsident Jerome Powell durch das US-Justizministerium hat Zweifel an der institutionellen Unabhängigkeit der US-Notenbank aufkommen lassen. Solche Unsicherheiten verstärken tendenziell die Nachfrage nach realen Vermögenswerten.
„Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen.“
Bereits im vergangenen Jahr wurde der Goldpreis durch mehrere strukturelle Faktoren unterstützt: anhaltend hohe Zentralbankkäufe, deutliche Zuflüsse in Gold-ETFs sowie die Aussicht auf ein niedrigeres Zinsumfeld. Diese Treiber sind weiterhin intakt. Vor diesem Hintergrund bleibt Gold aus BTV Sicht ein zentraler Bestandteil der Rohstoffallokation und erfüllt seine Rolle als Absicherungsinstrument in einem von politischen und geldpolitischen Risiken geprägten Umfeld.
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