Wie schütze ich mein Vermögen vor Inflation?
Wenn die Preise steigen und die Kaufkraft des Geldes sinkt, wird schnell klar: Wer sein Vermögen nicht aktiv schützt, verliert.

Steigende Zinsen, volatile Wechselkurse und geopolitische Unsicherheiten prägen das aktuelle Marktumfeld. Unternehmen sind dadurch gefordert, die Zins- und Währungsrisiken professionell zu managen. Wie eine strukturierte Steuerung gelingen kann, erläutern die beiden BTV Experten für Zins- und Währungsmanagement Laurens Schmieder und Andreas Aichelberger im Interview.
Nicht unbedingt. Starke Marktbewegungen machen die Risiken sichtbar, verursachen sie jedoch nicht. Die meisten Zins- und Währungsrisiken ergeben sich aus dem Geschäftsmodell eines Unternehmens. Solange sich die Märkte wenig bewegen, bleiben sie oft unbemerkt. Erst wenn Zinsen oder Wechselkurse deutlich ausschlagen, rücken sie in den Fokus. Ein gutes Risikomanagement beginnt deshalb nicht mit einer Marktmeinung, sondern vielmehr mit der Frage: Welche Entwicklungen könnten unser Unternehmen wesentlich beeinflussen und sind wir darauf vorbereitet?
Nein. Ein professionelles Risikomanagement basiert nicht auf Prognosen, sondern auf Vorbereitung. Niemand kann verlässlich einschätzen, wie sich Zinsen oder Wechselkurse in den nächsten Monaten entwickeln. Entscheidend ist wie erwähnt vielmehr, welche Auswirkungen die Marktbewegungen auf das Unternehmen haben und welche Risiken man wirtschaftlich tragen möchte.
Viele Unternehmen denken zuerst an Fremdwährungszahlungen oder variable Kredite. Tatsächlich sind die Risiken aber oft vielschichtiger. Rohstoffe können beispielsweise indirekt vom US-Dollar abhängen und Zinsrisiken entstehen häufig durch Investitionen oder veränderte Finanzierungsstrukturen. Aus diesem Grund beginnen wir immer mit einer Analyse des Geschäftsmodells und der relevanten Zahlungsströme.
Sobald man erkennt, dass beispielsweise Finanzierungskosten, Margen, Liquidität oder Investitionen spürbar durch etwaige Marktbewegungen beeinflusst werden könnten. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen diese Auswirkungen selbst tragen oder beispielsweise durch Preismaßnahmen ausgleichen kann. Genau an diesem Punkt wird Risikomanagement zu einer unternehmerischen Entscheidung.
Das hängt vom Einzelfall ab, aber insgesamt werden die Auswirkungen häufig unterschätzt. Ich erinnere mich an einen deutschen Maschinenbauer, der ein Projekt für einen US-Kunden in US-Dollar kalkulierte und fakturierte. Zwischen Angebotslegung und Zahlung lagen jedoch mehr als zwölf Monate. Da der Wechselkurs zur Angebotsabgabe attraktiv erschien und sich zuletzt positiv für den Maschinenbauer entwickelt hatte, sah dieser zunächst keinen Handlungsbedarf.
Bis zur Zahlung veränderte sich der Wechselkurs jedoch deutlich zuungunsten des Unternehmens. Das Projekt war operativ erfolgreich, die ursprünglich kalkulierte Marge wurde dadurch allerdings zu einem erheblichen Teil aufgezehrt. Nicht das Produkt, die Produktion oder der Vertrieb waren das Problem, sondern die Marktbewegung. Dagegen hätte sich der Maschinenbauer beispielsweise mittels einfacher Devisentermingeschäfte absichern können.
Ein Kunde finanzierte eine größere Immobilieninvestition über 25 Jahre und entschied sich während der Niedrigzinsphase für eine zehnjährige Fixzinsbindung. Als die Zinsen später deutlich anstiegen, blieben noch drei Jahre Fixzinslaufzeit. Danach drohten höhere Finanzierungskosten für die restlichen 15 Jahre.
Gemeinsam wurde daher frühzeitig eine Lösung entwickelt, um das damalige Zinsniveau bereits für die Anschlussperiode zu sichern. Mithilfe eines Zinsswaps mit Start in der Zukunft konnten die Finanzierungskosten langfristig planbar gemacht und eine verlässliche Kalkulationsgrundlage geschaffen werden.
Große Unternehmen verfügen häufig über etablierte Prozesse zur Steuerung von Zins- und Währungsrisiken. Interessant ist jedoch, dass viele zugrunde liegende Prinzipien unabhängig von der Unternehmensgröße gelten. Transparenz, klare Entscheidungsgrundlagen und eine regelmäßige Überprüfung von Risiken sind überall entscheidend. Meine Erfahrung zeigt, dass mittelständische Unternehmen oft dieselben Herausforderungen bewältigen müssen wie internationale Konzerne – allerdings mit deutlich schlankeren Strukturen. Umso wichtiger ist ein Risikomanagement, das verständlich, pragmatisch und effizient umsetzbar ist. Die BTV unterstützt ihre Kund*innen dabei, ein solches Risikomanagement aufzusetzen, indem wir sie von der Analyse über die Strategiefestlegung bis zur Instrumentenwahl begleiten.
Zins- und Währungsmanagement sind selten isolierte Finanzthemen. In der Praxis geht es meist um Investitionen, Wachstum, Liquidität und strategische Entscheidungen. Unternehmen, die ihre Risiken frühzeitig identifizieren und strukturiert steuern, schaffen die Grundlage für mehr Planungssicherheit, besser planbare Cashflows und langfristige Handlungsfähigkeit. In der Praxis haben sich einfache Produktlösungen für komplex wirkende Problemstellungen durchgesetzt. Mit gut verständlichen Zinsswaps oder –caps sowie Devisentermingeschäften lassen sich Zins- und Währungsrisiken auf einfache Art und Weise steuern.
Die verwendeten Fach- und Finanzbegriffe werden im folgenden Link ausführlich erklärt: Glossar. Weitere wertpapierrechtliche Informationen.
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